A-Triathlet unterwegs auf der legendären Mountainbike-Trophy. Gemäß der Race-Strategie sollte auf Wirtschaftswegen ein aggressives Tempo gefahren werden.

Sportfotographen waren nicht in Sicht und so versuchte A-Triathlet zu Biker-AG, Biker-BJ, Biker-MS und Biker-JH aufzuschließen, die den letzten Engpass wesentlich besser passieren konnten. Der Wirtschaftsweg führte auf einen Wald zu und war dort auch offensichtlich zu Ende. Ein Schild „Single Trail“ das A-Triathlet nur aus den Augenwinkeln wahrnahm, wertete er als single trial und sinnierte über die Bedeutung. Weitere Beschäftigung mit diesem Thema war nicht möglich, die Meute stockte und wie zuvor dehnte sie sich auf die volle Breite aus. Es ging in den Wald und das auf ganzer Linie. Nur einer kleinen Biker-Gruppe gelang die Einfahrt, der Rest setzte sich in Dornengestrüpp und Buschwerk fest. Biker-MS hatte rechts neben ihm eingeparkt während Biker-AG und Biker-JH die kleine Fluchtgruppe erwischt hatten. A-Triathlet schulterte kurzerhand sein Sofa-Bike und versuchte eine Schneise zu schlagen, die zum Waldweg führen musste.

Platten-Pedale, warum nur Platten-Pedale

Brutal machte sich der Nachteil der Aero-Race-Shoes bemerkbar, die für diese Art der Fortbewegung ganz und gar nicht konzipiert waren. Von Dornen zerkratzt und Buschwerk in den Laufrädern versuchte A-Triathlet auf dem Waldweg wieder Fahrt aufzunehmen. Abermals zeigte sich der Nachteil wenn diesmal mit Morast verstopfe Platten sich den Weg in die Klick-Pedale suchen. A-Triathlet nahm keine Fahrt auf, hinter ihm kollidierten Biker, Fahrradketten heulten auf, aber A-Triathlet wuchtete die Platten in die Pedale, sein Sofa-Bike nahm Fahrt auf und schoß den Waldweg hinab. Er tat das ohne Notiz von dem Chaos hinter sich zu nehmen.
Der Waldweg endete an einem Canyon und setzte sich auf der anderen Seite fort. In einem Canyon fließt meistens ein kleiner Bach oder ein größerer Bach oder ein Fluß.
Die Aufgabenstellung glasklar und für A-Triathlet quasi halb-professionell gekonnt lösbar. Der unkontrollierte Sturz in den Canyon machte einen souveränen Eindruck, endete aber abrupt im Bett des Wässerchens und sah in seiner Fortsetzung eher jämmerlich aus. Also nur 50 von 100 möglichen Punkten. A-Triathlet krabbelte auf allen vieren, sein Rad hinter sich herziehend aus dem Canyon heraus. Er beschloß im Falle einer wiederholten Canyon-Durchquerung auch auf die ersten 50 Punkte zu verzichten. A-Triathlet mittlerweile alleine im Wald suchte die Orientierung. Da die Meute eine ordentliche Schneise in den Wald gefräst hatte gelang es schnell wieder Anschluß zu finden. Die Chance sollte kommen und gemäß der Strategie katapultierte A-Triathlet sich in die Mitte des Biker-Feldes. Biker-JH verbaute gerade sein letztes Pannenmaterial als A-Triathlet an ihm vorbeischoß. Waldwege und Wirtschaftswege wechselten sich ab, nur die ersehnten asphaltierten Straßen kamen nicht. A-Triathlet checkte die vermutete Position und wähnte sich auf den letzten 4km des Marathons, als sich der Weg vor ihm in ein „Free Fall“ Szenario 2. Dimension wandelte. Auf keinen Fall wollte er hier 50 Punkte ergattern, sprang vom Rad und suchte nach alternativen Möglichkeiten, als er bereits wegrutschte und in den „Free Fall“-Status wechselte. Die Vorführung bizzar, weil zeitweise sein Sofa-Bike und mal er in Führung lag. Um ihn herum ein Blitzlichtgewitter, das er zunächst für das Ende des Lebens hielt bis ihm klar wurde, dass er in eine vollautomatische Fotofalle, mit direktem Anschluß an a-soziale Medien, gestürzt war. Der Fotograph trommelte vor Vergnügen auf den Boden. „Hör auf zu geiern, ich bin doch nicht der Erste, der sich hier auf die Fresse legt.“ „Nein, aber keiner sah so bescheuert aus wie Du“.

Der Tag fühlte sich nicht mehr gut an.

A-Triathlet versuchte auf sein Sofa-Bike zu springen und abermals zeigte sich brutal, dass die Aero-Race-Shoes verstopft mit Geäst und Laub nicht in die Pedale wollten. A-Triathlet ignorierte die technischen Probleme, weil vor ihm lag die lang ersehnte asphaltierte Straße und er witterte seine Chance. Noch waren wenige 50m im „Free Fall“-Status zurückzulegen, was A-Triathlet nutzte ordentlich an Fahrt aufzunehmen. 1.Gang, 2., 3., 5., 9., 13., 16., 18.Gang, maximale Performance und endlich Geschwindigkeit, bis A-Triathlet erkannte was vor ihm lag. 25% Steigung auf 400m Länge. Als er die Steigung erreichte ging es jäh runter mit den Gängen. 17., 15, 12, 8, 5, ein krachendes Geräusch, die Kette war zwischen Gang 5,3 und 4,8 hängen geblieben. Ein lösbares Problem, Kette zurück, eine Kurbelumdrehung rückwärts, tausende Male einstudiert, schnell wieder vorwärts, ein erneutes Krachen und die Kette war auch vorne zwischen Gang 2,2 und 2,9 eingeklemmt. Full Stop nach 16,7m bei 25% Steigung. Maximale Pleite auf dem einzigen Stück asphaltierter Strasse. 0 Punkte. Ein Zuschauer sprang auf A-Triathlet zu, löste in Windeseile die Kettenklemmer, A-Triathlet sattelte auf und zog im ersten Gang davon.
Auf einem Mountain-Bike im ersten Gang zu fahren, entspricht einer SlowSlow-Motion-Szene wie sie im Fall einer Blutgrätsche im Fußballkino gezeigt wird.
A-Triathlet bedankte sich für die Hilfe während er kurbelte und umarmte den Zuschauer nochmal bevor er mit unmerklicher Geschwindigkeit die Unglücksstelle verließ. Von der „All out“ Strategie ließ A-Triathlet nichts erkennen, war er doch froh irgendwann oben anzukommen, zumal eine Verpflegungsstelle angekündigt wurde.
Ein Triathlet greift an einer Versorgungsstation gekonnt drei Wasserflaschen ab, evakuiert die ersten beiden Flaschen wirft sie noch innerhalb der Abwurfzone ab und fährt ohne Halt mit 42,3km/h weiter.
An dieser Biker-Versorgungsstation fuhr niemand mehr durch, auch wurden keine Wasserflaschen gereicht. Es gab nur noch Biker, die den Anschein erweckten, als wollten sie hier ihren Rentenantrag durchbringen und den nächsten „Free Fall“ für den Abschied nutzen. Biergartenatmosphäre, ganz klar. A-Triathlet nahm die Position 4 an einem Biergartentisch ein und überlegte, ob er mit den Bikern auf Position 3, 2 oder 1 ins Gespräch kommen möchte. Oder, ob er sich einfach setzt und die Klappe hält. Es waren noch 3,5km zu fahren und die konnten alles bedeuten.

In der letzten Episode 4 hört Ihr von schönen Frauen in weißen Kleidern, Männern in schwarzen Anzügen, Burgen und bettelnden Bikern.

Bleibt also online, ich zähle auf Euch.
A-Triathlet 🙂

Mountainbike Trophy Ep.3
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