Mountainbike

Alles Leiden muss ein ruhmreiches Ende nehmen. Die Trophy nimmt ein Ende, das Leiden hat ein Ende und der Ruhm ? Lest selbst.

A-Triathlet, auf der letzten Versorgungsstation der legendären Mountain-Bike Trophy angekommen, entschied schnell die Fahrt fortzusetzen und nicht das Gespräch unter Bikern zu suchen. Nur im Ziel wartet der Ruhm und den galt es zu sichern, schien doch jetzt der asphaltierte Teil der Strecke zu beginnen. Er orderte noch drei Magnum-Energy-Drink-Bottles, deponierte diese in seinen zahllosen Flaschenhaltern und presste die Platten in die Pedale. Gleich 50m hinter einer Kurve ging es im invertierten „Free Fall“ in den Biker-Himmel, um Sekunden später in ein mittelalterliches Burggemäuer einzubiegen. A-Triathlet unbeeindruckt von dem Ambiente und außergewöhnlichen Momenten schoß durch den Burghof auf die vermeintliche Hofausfahrt zu. Ein Gladiator mit roter Flagge warnte vor den folgenden 6 Metern, die A-Triathlet als Steintreppe mit einigen engen Serpentinen identifizierte. „Kann man da runterfahren?“, „Viele haben es versucht, keiner hat es geschafft!“. Klare Ansage. A-Triathlet noch im Canyon-Schock gab sich mit 0 Punkten zufrieden, zählte es doch schnell wieder Fahrt aufzunehmen und nicht in einem Geländer hängend abzutrocknen. Am Ende der Steintreppe nochmals ein „Free Fall“, jedoch kürzer und direkt in den Burggarten hinein.

VIP-Versorgung, es lohnt sich doch

Geil, noch eine Versorgungsstation und diesmal mit gedeckten weißen Tischtüchern, Sekt, Wein, Bier, Schnaps alles perfekt, eine geile Trophy. Wo sind die Zigarren? Die Supporter in schwarzen Anzügen, die Supporterinnen in langer Gaderobe, edel. A-Triathlet wähnte sich im Ziel direkt in der VIP-Lounge. Leider hatte A-Triathlet seit dem letzten „Free Fall“ dermaßen an Fahrt aufgenommen, dass er nicht in der Lage war eines der Sektgläser zu erhaschen, stattdessen emittierten seine 16mm Stollenreifen sämtliches Erdreich, das er auf den letzten schlammigen Passagen eingesammelt hatte. Es dämmerte ihm, dass es sich hier nicht um die ersehnte VIP-Lounge handelt, sondern um eine Hochzeitgesellschaft, die seit mehr als einer Stunde durch eine Meute von 1145 schwitzenden, dreckigen Trophy-Bikern an ihrer Zeromonie gehindert wurde. 55 Biker waren noch mit dem Ausfüllen der Rentenanträge an der letzten Station beschäftigt. Die sollten dann auch noch kommen.
A-Triathlet beschloss nicht anzuhalten um Glückwünsche zur Hochzeit und Wahl dieser beschaulichen Location auszusprechen, was aufgrund seiner Geschwindigkeit auch nur schwerlich möglich gewesen wäre, sondern übergab im nächsten „Free Fall“ alle Vollmacht über sein Sofa-Bike der Schwerkraft. Auf Ground Zero angekommen wähnte er sich noch ganze 500m vom Ziel entfernt als er Biker-MS in der Meute erspähen konnte. Biker-JH schien hinter ihm, Biker-AG und Biker-BJ allen enteilt, also ging es hier um Platz 2, 3 oder 4 in der internen Mannschaftswertung. Ein Waldweg vor ihm, Steigung 30%, Bodenbelag Laub und Schlammreste aus Stollenreifen, abgedeckt durch quasi-tote Trophy-Biker. Die Behelfsparkplätze rechts und links durch die Looser aus der Meute belegt. Es ging nur noch durch die Mitte. A-Triathlet erkannte die Chance 1143 Plätze gut machen zu können, galt es nur noch die 185er Trittfrequenz die letzten 450m durchzuhalten. Das Bild rechts und links der Strecke glich dem Rückzugsweg der Napolianischen Armee nach der Völkerschlacht bei Leipzig. „Hast du noch ein PowerGel für mich?“, was A-Triathlet daran erinnerte noch 3000ml Magnum-Energy-Drinks im Gepäck zu haben. Es folgte eine blitzschnelle Strategieänderung von Waldweg „moderat“ in Waldweg „All out now“ und A-Triathlet warf Almosen in Form von Energy-Drinks unter das schmachtende Biker-Volk. Der Lastabwurf vom 3000ml Energy-Drinks ließ die Kurbeldrehzahl nochmals um 26 Punkte nach oben schnellen.

Die noch zu Beginn militärisch anmutende Biker-Meute hatte sich auf der letzten Steigung in eine lazarettbedürftige Restarmee verwandelt.

Der Baumbestand wechselte in eine grüne Parklandschaft. A-Triathlet ereichte den Gipfel seiner bisherigen Laufbahn, sichtet den Zieleinlauf, freut sich auf das Ende und den Ruhm. Er erspäht Biker-AG und Biker-MS, die schon direkt vor der VIP-Lounge einen Platz mit Ausblick auf die Zieleinfahrt eingenommen hatten. Die letzten Meter, geführt von einem Flatterband-Parcourt, mit Haarnadelkurven, bestimmt um sich gebührend der wartendenden Meute im Ziel zu präsentieren, so dachte A-Triathlet, der abrupt sämtliche Bremsaggregate zündete und rückwärts kurbelte als er 30m vor den Zieltor einen „Free Fall“ identifizierte. Dieser „Free Fall“ stellte alles in den Schatten, was heute auf dem Programm stand. „Ich muss die Ausfahrt zum Ziel verpasst haben“. Diese Meinung verfolgte er bis ein Biker-Mädel an ihm vorbeirauschte, den „Free Fall“ passierte und von den Torwächtern in Empfang genommen wurde.
A-Triathlet überprüfte, ob auch die anderen 934 Biker diese Passage in ähnlicher Lässigkeit passieren konten, bevor er sich über den „Free Fall“ ins Ziel katapultieren ließ.
A-Triathlet hatte die Augen noch geschlossen als die Torwächter ihn im letzten Moment noch daran hindern konnten, ungebremst in die VIP-Lounge einzudringen.
A-Triathlet nahm Platz zwischen Biker -AG, Biker-BJ, Biker-MS und Biker-JH und überlegte, ob es Sinn macht ein Gespräch mit dem Nachbarn auf Position 1 oder Position 3 zu beginnen. Er lauschte stattdessen einer Diskussion zwischen Position 5 und 6, die die Mountain-Bike-Trophy als Training mit „alternativen Trainingsreiz“ nicht mehr bevorzugen werden.

A-Triathlet 🙂

Mountainbike Trophy Ep.4
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