Spaß fühlt sich anders an, meine ich.

Da sind alle schon durch das Tor des Ruhmes, verköstigt, gesäubert und gefönt, als sich A-Triathlet über die Ziellinie schiebt. Emilie Escargot aus dem Märchenbuch hätte den letzten Meter locker gewonnen.

Die Überquerung dieser magischen Linie wollte nicht enden. Auch das Gefälle auf den letzen Metern half nicht annähernd einen halbwegs ruhmreichen Zieleinlauf zu zeigen. Kein Zuschauer nahm Notiz von diesem Elend, wollten sie doch Sieger sehen und nicht die Hartz-IV-Empfänger des Triathlon. Die Tanks entleert, nein, sie waren ausgetrocknet, einfach trocken. Trocken wie die Sahara an einem Nachmittag um 15:27 kurz vor Teatime.

Hatte es zwei Stunden zuvor schon bescheiden begonnen. A-Triathlet mag keinen Laufstart auf holprigem Rasen, immer mit der Angst einem Maulwurf die Bude einzutreten und ihm Auge um Auge gegenüberzuliegen. Der Start in den Lauf, wenig genial. Es hätte besser aussehen können, als vorsichtig über die Wiese zu eiern. Die erste Versorgungsstation wurde sträflich ignoriert, als eine Tartanbahn durch die getönten Gläser der Sonnerbrille schimmerte. Die Leichtigkeit des Laufens, das Schweben über dem Planeten, … jetzt sollte es kommen. Vierhundert Meter erstklassiger Tartan, nicht ausreichend um die geplante Reisegeschwindigkeit zu erreichen und dann auch noch das. Die 1000m Marke zog langsam vorbei als mit einem Plopp dieses Gefühl für aufkommende schwere Zeiten, gepaart mit den ewigen Gedanken über den Sinn des Tuns, des Lebens und so weiter, das Gehirn lahmlegten. Dieses ungewichtige Plopp, wie das earcon einer dieser belanglosen whatsapp, aber mit einer elektrisierenden Wirkung. als wenn der 1.FCB in der 98.Min. das 0:1 kassiert. Diese Plopp verfehlte sein Wirkung nicht. Die nächste Marke von 2000m zeigte plötzlich Eigenschaften von Magnetismus, ähnlich wenn zwei gleiche Pole zusammengebracht werden sollen. Die Marke kam nicht näher und auch A-Triathlet bewegte sich nicht. In dieser Phase intensiver Selbstfindung gab es nur ein Geräusch, dass die Stille unterbrach.

Das Geräusch geschmeidig abrollender Race-Shoes.

Doch dieses Geräusch, war es eine Einbildung, eine Sinnestäuschung? Es passte so gar nicht zur eigenen schleichenden Bewegung. Zu dieser schmiergelnden, materialabhebenden Landephase der eigenen Laufschuhe. Dieses leidende Ächtzen der Schuhe, es fehlte. Aber war es doch ein vertautes, nicht fremd klingendes Geräusch.


FRONT-MANN.


Front-Mann rauschte vorbei, in einer Geschwindigkeit, dass der Gedanke an Gegenwehr keine Zeit fand. Und das jetzt wo es noch 1834234 mm bis zum Ruhm entfernt waren. Front-Mann hatte zum finalen Stoß angesetzt und getroffen, als Revanche für das Scharmützel gut eine Stunde zuvor.

Was war passiert?

Der Sprung in die Radschuhe war geglückt, hatte aber zu einem reichhaltigen Materialtransport geführt. Zuviel unerwünschtes Bodenmaterial kam mit an Bord, also noch mal raus, einmal kurz über die Bodenmatte des freundlichen Nachbarn und wieder rein in die Race-Shoes. Front-Mann enteilt, weg, hatte er die Gunst der Sekunde geschickt genutzt. Nun egal, raus auf die Radstrecke mitten durch das Spalier an Zuschauern, zwei auf der linken Seite, einer auf der rechten Seite. Das war schon mal anders. Das Time-Trial-Race-Bike beschleunigte von ungemessenen Kräften angetrieben auf die Plangeschwindigkeit und der in den Genen verankerte Tempomat ließ keine Abweichungen mehr aufkommen. Exakte Planausführung. Die Umgebungstemperatur stieg langsam auf die gewünschten 30° Celsius und Schweineplempe, als Ersatz für ein deftiges Frühstück, lieferte die Energie. Drehzahl, Geschwindigkeit, Windstärke und Kurbeldruck, alles im Plan, nur die Messung der Höhenmeter streikte, bis klar wurde, dass die Messgenauigkeit im Zentimeterbereich liegen müsste um eine Veränderung wahrzunehmen.
Das schneidende Geräusch eines im Wind liegenden Karbonrahmens begleitete A-Triathlet schon mehr als eine Stunde, als Front-Mann im Zielvisier auftauchte. Gegen was kämpfte Front-Mann, seine Geschwindigkeit, weit unter Plan. Knabberten seine Maschinen noch an der letzten Trainingseinheit, diese weggeschrädderte RTF, doppelte Wettkampflänge, gefühlt viermal so schnell und zwei Tage vor dem Startschuß, wenig sinnvoll, aber mit reichlich Spaßfaktor.

Es blieb keine Zeit für weitere Analysen, bis zum Kontakt nur wenige, im einstelligen Bereich liegende Sekunden. Das Überholmanöver wurde von dem nachfolgenden Wettkampfrichter nicht wahrgenommen, die aufmunternden Worte von A-Triathlet an Front-Mann verfingen sich im Rauschen des Karbons.
Die Eintönigkeit der Strecke erfasste A-Triathlet ein weiteres Mal und führte dazu die letzten Meilensteine des zurückliegenden Wettkampfes noch mal zu überprüfen.

Es hatte mit der Erkenntnis begonnen, dass eine Mitteldistanz auch in einem 25m Becken starten kann, wenn nur ausreichend Wettkampfrichter bereitgestellt werden, die lang und weit genug Zählen können. Im Zahlenraum eines Triathleten ist bekanntlich alles größer als 3 nicht existent, ansonsten würde es nicht Triathlon heißen. Also selbst zählen führt zu einem ganz kurzen oder endlos langen Wettkampf.

Es fanden sich augenscheinlich nicht genug Mathematiker. Die Strecke wurde halbiert und Neo-Verbot ausgesprochen, bei satten 25°Celsius. Der Veranstalter befürchtete zu viele in Gummi verpackte Warmduscher, die kollabiert nur die Schwimmbahnen verstopfen.
Front-Mann und A-Triathlet checkten die Situation wählten dieselbe Bahn und Front-Mann ließ A-Triathlet den Vortritt in der Startreihenfolge.
Das nenne ich wirkliche Freundschaft. Gönnt er mir doch auf den letzten Tagen den Ruhm und stellt sich uneigennützig hinten an.
Front-Mann Respekt.
Die Schwimmbahn zu voll, zu kurz, zu schmal. Es wurden Minuten des Wasserballetts, in dem gegenseitiges Füßeklopfen zelebriert wurde. Selbst der letzte in der Kette musste sich beeilen, rasierte doch der erste ihm ständig die Stoppeln von den Waden. Das Umkreisen, des sich in der Mitte ausbildenden Wirbels wurde von den Zählbeauftragten rechtzeitig beendet, so dass niemand von dem Sog des Wirbels in Lebensgefahr geriet.

Front-Mann und A-Triathlet katapultierten sich aus dem Becken, wobei das Katapult von A-Triathlet schlecht vorgespannt war. Der Lauf zum ersten Wechsel, durch das Spalier an staunenden Zuschauern, zwei auf der rechten Seite und einer auf der linken Seite, das war schon mal anders, ließ endlich Wettkampf-Feeling aufkommen.

Ja, so begann es und wie es endete „is klar“.

„Wer gewinnen will muss auch gegen sich selbst verlieren können.“

A-Triathlet 🙂

Spaß. Manchmal auch nicht.
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